Tauernfest

Das Kirchlein von Tauern

Kräuterweihe

 

Ursprung des Tauernfestes
Mit dem Leitgedanken "aus eigener Kraft Leistungen setzen und die Nachbarn rund um den Ossiacher Tauern in die Aktivitäten einbinden" hat die Nachbarschaft Ossiach (NBO) am 17. April 1984 beschlossen jährlich Feste am Ossiacher Tauern durchzuführen. In abwechselnder Reihenfolge sollen die Gemeinschaften Ossiach, Glanhofen-St.Nikolai und Köstenberg das "Ossiacher Tauernfest" möglichst im Mai eines jeden Jahres gestalten. Zentrales Anliegen der Veranstalter sind Familien- und Kinderfreundlichkeit, in Ruhe miteinander verweilen, reden, spielen, wandern, aber auch essen und trinken können.
Mit einer Messe soll begonnen werden. Die einzelnen Gemeinschaften versammeln sich an ihren Treffpunkten (Ossiach beim Tauernteich, Glanhofen-St.Nikolai beim Trafo und Köstenberg beim Tauerneck). Dem Geläut der Tauernkirche folgend wandern die Nachbarn angeführt von ihrem "Buschenträger" zur Antonius-Kapelle.

Das erste Ossiacher Tauernfest fand am Sonntag, 20. Mai 1984 statt und wurde bei schönstem Wetter von der NBO ausgerichtet. Mit Schwung und Fleiß haben 25 freiwillige Helfer damals in kurzer Zeit das Fest organisiert und das Gelände rund um den Geräteschuppen des Aufzuchthofes hergerichtet. Erstmalig musste eine Infrastruktur bereitgestellt werden: Grillplatz, Schank, Wasserleitung, WC-Anlagen, Sitz- und Spielmöglichkeiten, Sandkegelbahn und vieles mehr.
Die Feldmesse vor der Kirche hat damals Pater Gustav Bergmanns gefeiert, der MGV Ossiach hat gesungen. Insgesamt sind an die 600 Besucher gekommen.


DI. Anton Trzesniowski

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Das Kirchlein von Tauern
Am Südufer des Ossiacher Sees erhebt sich ein waldiger Bergzug, im Volksmund "Die kleinen Tauern" genannt. Auf der Anhöhe steht ein Heiligtum, das Tauernkirchlein. Von seiner Entstehung weiß man folgendes zu erzählen: In alten Zeiten, als noch Nixen mit süßen Melodien die Menschen in die Tiefe lockten, als noch Elfen im Wald ihren Reigen drehten und Zwerge im Schoß der Berge ihre goldenen Schätze hüteten, geschah es einmal, daß ein Fischer und eine Fischerin abends über den See fuhren. Es war gerade Vollmondzeit. Sie begannen, während der Kahn mitten im See auf glitzernden Wellen schaukelte, zu tändeln und zu kosen, als neugierig eine Nixe herbeigeschwommen kam und mit freudigem Staunen das seltsame Spiel der verliebten Menschen beobachtete. Die nächste Nacht fuhr der Fischer allein in den See hinaus. Da hörte er dicht neben sich einen wunderbaren Gesang — er lauschte atemlos. Plötzlich teilte sich die Flut, und ein Weib von blendender Schöne stieg beim Mondesglanz zu ihm in das Boot. Mit süßen Tönen und schmeichelndem Gekose bestrickte sie sein Herz. Treue und Heimat vergessend, warf er sich in die Arme des schönen Wasserweibes.

Von dieser Stunde an war der Jüngling wie umgewandelt. Frohsinn und Lebenslust waren dahin, düster und verschlossen wandelte er am Tag einher, wenn er an seine Geschäfte ging. Die fremde Frau hatte es ihm angetan, ihr Bild schwand nicht mehr aus seinem Sinn. Jeden Abend fuhr er hinaus auf den See, doch nimmer wollte sich die Schöne zeigen. Darüber war ein Monat vergangen, der Mond hatte seine Gestalt erneut und spiegelte wieder sein volles Angesicht im Wasser. An diesem Abend erschien auch die Nixe wieder und stieg zu ihm in den Kahn. Doch sie schien ihm nicht mehr die gleiche zu sein, er empfand nicht mehr den holden Zauber, der ihn bei ihrem ersten Anblick so gefesselt hatte. Dagegen quälte ihn ein brennendes Weh, und die Sehnsucht zog ihn nach der verlassenen Fischerin, die in ihrer Hütte um den Treulosen weinte. Laut aufschluchzend warf er sich der schönen Nixe an die Brust und hoffte bei ihr Trost in seinem Leid zu finden. Doch sie verstand seine Tränen nicht. Sie hatte nur lachen gelernt und erwiderte auch jetzt seine Klagen nur mit einem silberhellen Lachen. Darüber geriet der Fischer in flammenden Zorn und stieß die Nixe in das Wasser, worauf er eilig davonfuhr.

Sie aber verwünschte ihn und beschloß Rache am Menschengeschlecht zu nehmen. Da sie jedoch gar wohl wußte, daß der Beherrscher des Wassers, dem alle Nixen untertan waren, keinen Zwiespalt mit den Menschen duldete, erdachte sie eine List. Sie bereitete einen Schlaftrunk und mischte ihn unter den Wein, den der Alte beim Mittagsmahl zu trinken pflegte. Da schlief der Greis ein. Die böse Wasserfrau schlich allsogleich zur Schleuse und drehte sie auf, daß das Wasser des Sees freien Weg ins Land fand. Mit Schnelligkeit ergossen sich die unheimlichen Fluten über die Gegend; die Bewohner ließen ihre Arbeiten im Stich und flüchteten eilends auf die nächsten Anhöhen. Die aber vom Wasser überrascht wurden, stiegen angsterfüllt auf die Dächer ihrer Häuser. In den treibenden Wogen sah man einen totenblassen Fischer auf eines der noch übriggebliebenen Häuser zu schwimmen. Auf dem Dach, das schon vom Wasser bespült wurde, saß ein trauerndes Mädchen. Als es den Knaben erblickte, vergaß es Todesnot und Pein und sprang, ein Lächeln der Freude auf dem Antlitz, zu ihm hinab. Eng umschlungen wurden sie beide das Opfer der Fluten.

Als nun am Abend der Alte endlich erwachte und das Unglück gewahrte, zürnte er gewaltig über die schreckliche Tat der ungehorsamen Nixe, schaffte wieder Ordnung und bestrafte das Weib. Es ward aus den Reihen seiner Schwestern ausgeschieden und erhielt eine menschliche Seele.

Da kam ungeheures Leid über sie. Alle Abende klagte sie am Ufer des Sees ihr Los den Schwestern vor und weinte bitterlich. In einer schönen Sommernacht vernahm der Beherrscher des Wassers ihre Klagen und erbarmte sich der Unglücklichen. Doch straflos durfte sie nicht bleiben, und so trug er ihr auf, zur Sühne für ihre Untat ein Kirchlein zu erbauen, das von luftiger Waldeshöhe den Wanderer grüße. Gleichen Schmerz, wie sie den Menschen angetan, sollte sie nun selbst erdulden und den Mörtel für den Bau mit ihren Tränen anfeuchten.

Nun kamen für die Nixe lange, leidvolle Tage der Arbeit. Doch willig fügte sie sich dem harten Gebot des Wassermannes, da ihr das Werk Erlösung bringen sollte. Immer höher stiegen die Mauern, und endlich war das tränenreiche Werk vollbracht, das Kirchlein stand fertig auf der Höhe, und die Nixe kehrte zu ihren Schwestern in den See zurück.

(Georg Graber. Sagen aus Kärnten, Band II der Gesamtausgabe, Seite 54 - 56
Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H., Klagenfurt)

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Die Kräuterweihe am Fest
"Mariä Himmelfahrt"

Die Wiederentdeckung des Kräuterschatzes unserer Naturapotheke zur Behandlung von Leiden, gegen die chemische Präparate oft wirkungslos sind, führte zur Belebung des alten Brauches, die Heilkraft der Kräuter durch Gottes Segen zu verstärken.
Bereits in vorchristlicher Zeit brachte man Kräuter mit überirdischen Kräften in Zusammenhang. Unabhängig von der Frage, welche Bedeutung unsere Pflanzenwelt aus der Sicht des Mystizismus spielte, muss anerkannt werden, dass Heilpflanzen seit Menschengedenken zur Förderung der Gesundheit und zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt wurden.

Die Zeit des "Frauendreißigers", der Tage von Maria Himmelfahrt am 15. August bis Mariä Namen am 12. September ist von Natur her die Zeitspanne für das Sammeln der Heilkräuter. In dieser Zeit soll auf den Kräutern und Wurzeln ein besonderer Segen liegen.
Der "Würzbuschen", wie der zur Segnung getragene Strauß weithin genannt wird, besteht aus "neunerlei" oder "achtzehnerlei" Heilpflanzen, die sich um die Königskerze reihen: Kamille, Minze, Beifuss Johanniskraut, Benediktenkraut, Thymian, Spitzwegerich, Schafgarbe, Ringelblume, Salbei. Es wird keine fixe Zusammenstellung des Kräuterbüschels gewählt, vielmehr sollen die typischen Heilkräuter der jeweiligen Gegend im Büschel Aufnahme finden.
Der erste schriftliche Beleg für eine christliche Weiheformel stammt aus dem 10. Jh. Diese Formel erscheint im 12. Jh. wieder und ist bis ins 16. Jh. erhalten. Danach scheint die Kräutersegnung in Vergessenheit geraten zu sein bis sie in unserer Zeit durch die Kath. Frauenbewegung und die verschiedenen Trachtenfrauengruppen nicht zuletzt durch die Hinwendung zu naturnaher Medizin und naturnahen Produkten wieder aktiviert wurde.
Als Grund für diesen Brauch der Kräutersegnung darf angenommen werden, dass Maria oft in der Heiligen Schrift mit Blumen und fruchtbaren Gewächsen verglichen wird und, als Maria dem Grab entstieg, sich ein lieblicher Wohlgeruch wie von duftenden Kräutern verbreitete. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, dass die Kräuterweihe an "Maria Himmelfahrt" wie so viele andere christliche Bräuche aus der Kirche selbst hervorgegangen ist.
Unsere Stiftspfarrkirche, welche "Maria Himmelfahrt" geweiht ist, hat durch diese Tatsache die besten Voraussetzungen, dieses bedeutendste aller Marienfeste, den "Großen Frauentag" traditionell-feierlich zu begehen.
Auch heuer werden Ossiacher Frauen wieder Kräuterbüschel binden und vor der Kirche verteilen, um, dem Sinn entsprechend, bei der Heiligen Messe den Segen für diese Naturgaben zu erbitten.

Renelde Jost:
Quellen: Kärntner Heimatwerk, Kärntner Kulturatlas

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