Zeittafel

Seelsorger

Stummer Büßer

Abt Werner

Kostbarkeiten

 

Die Zeittafel

 

um 1000

Gründung des Benediktinerstiftes Ossiach durch den Bayrischen Grafen Ozi und seine Frau Irenburgis. Ihre beiden Söhne sind Ozi II. und Poppo.

1019

Poppo wird Patriarch von Aquileia und kauft in der Folge seinem Bruder Ozi II. das Ossiacher Stift ab. So kommt Ossiach zur Kirchenprovinz von Aquileia. Damit ist allerdings eine alte Grenze verletzt, denn das Gebiet nördlich der Drau gehört seit 811 zur Kirchenprovinz von Salzburg.

1028

Eine Urkunde Kaiser Konrad II. bestätigt, dass das Kloster nun dem Patriarchen von Aquileia unterstellt ist. Auch der Papst ist einverstanden.

1081 - 1089

Der polnische König Boleslaus II. ist nach dem Mord am Krakauer Bischof Stanilslaus auf der Flucht. Der Legende nach verbringt er die Jahre bis zu seinem Tod als "Stummer Büßer" im Kloster von Ossiach.


Gedenktafel
am Grab von König Boleslaus
an der Aussenseite
der Ossiacher Stiftskirche

1096

Ankauf von Gütern am Wallersberg bei Völkermarkt.

1136

Zwischen den Kirchenprovinzen Aquileia und Salzburg entsteht ein Abgabenstreit. Erst durch einen Vertrag im Jahr 1212 kommt es vorübergehend zu einer Beruhigung.

um 1150

Markgraf Ottokar schenkt dem Kloster die Kirche St. Jakob im Rosental mit dem Recht, dort einen Pfarrer einzusetzen.

1192

Die Babenberger erwerben die Ossiacher Vogteirechte.

1233

Ankauf von Gütern im salzburgischen Lungau unter Abt Hezelin.

1246

Die Vogteirechte
gehen an die Habsburger.

1252 - 1263

Unter Abt Berthold II., der aus dem Kloster Millstatt kommt, gibt es erste Anzeichen der Loslösung von Aquileia.

1279

Letzte Demonstration des aquilensischen Rechtes durch die "Schlüsselübergabe" bei der Wahl des Abtes Konrad II.

1305

Graf Meinhard von Ortenburg erhält die Vogteirechte.

1307 - 1314

Der heiligmäßige Abt Werner der II. entwickelt eine spezielle Heilmethode. Die Kranken werden an einen Stuhl gebunden und in die Sonne gestellt. Drei Kugeln aus Bergkristall wirken als Brennglas und versetzen den Kranken in einen tiefen Schlaf, aus dem er geheilt erwacht. Der Stuhl dient heute als Priestersitz für die Liturgie. Die einzige noch erhaltene Kugel ist im Diözesanmuseum ausgestellt.

1343 - 1354

In die Regierungszeit von Abt Volkmar fällt das schwere Erdbeben des Jahres 1348. Trotz großer Schäden im Land (Dobratschabsturz) bleibt das Kloster in Ossiach aber weitgehend verschont.

1351

Herzog Albrecht II. erwirbt vom Stift den Kirchenbesitz von Gratschach mit dem "Jagersberg" (die spätere Burg "Landskron").

1401

Abt Ulrich I. erhält von Papst Bonifaz IX. Mitra und Pontifikalien. Damit endet der Anspruch von Aquileia endgültig.

1430 - 1437

Das Stift Ossiach erhält unter Abt Andreas I. die niedrige Gerichtsbarkeit, was dem Kloster mehr Einnahmen bringt.

1444

Das Kloster erwirbt die Jakobskirche bei Feldkirchen, die sogleich das Patrozinium des Benediktinerheiligen St. Ulrich bekommt.

1437 - 1454

Durch die Misswirtschaft von Abt Ulrich III. gerät das Kloster in finanzielle Schwierigkeiten.

1457

König Friedrich III. bestellt den Hochmeister des Georgs-Ritter-Ordens aus Millstatt zum Administrator des Stiftes. Der Erzbischof von Salzburg kann noch verhindern, dass Ossiach in den Besitz des Ritterordens gelangt.

1462 - 1472

Abt Augustin verbessert die wirtschaftliche Lage und erhält die kaiserliche Zustimmung zu neuen Steuern.

1473 - 1484

Unter Abt Leonhard Zorn erlebt Ossiach einige dramatische Ereignisse: Türkeneinfalle, Bauernaufstand und Kirchenbrand.

1476

Erster Türkeneinfall

1478

Bauernaufstand als Reaktion auf die neuen Steuern.

1483

Zweiter Türkeneinfall

1484

Am "Lienharditag", dem Geburtstag des Abtes, verursacht ein Großbrand schwere Schäden an der gesamten Klosteranlage.

1485

Abt Daniel Krachenberg (1484 - 1496) beginnt mit der Behebung der Brandschäden von Kirche und Stift.

1490

Erwerb von Schloss Tiffen

1492

Neuerlicher Türkeneinfall. Der Legende nach fliehen die Mönche nach Westen und werden am Seeufer erschlagen. Der Ort heißt seither Heiligengestade.

1496 - 1510

Abt Erasmus Trotter (Töttrer) bringt die Erneuerung von Kirche und Stift zum Abschluss und weiht im Jahr 1500 die nun im Stil der Gotik neu gestaltete Kirche. Ein paar Jahre später wird der heute noch erhaltene gotische Flügelaltar gestiftet.

1510 - 1523

Unter Abt Wolfgang Gaispacher entstehen die Filialkirchen in Heiligengestade und am Ossiacher Tauern. Das Tauernkirchlein ist zunächst dem Hl. Apostel Thomas geweiht, erhält aber später das Patrozinium des Hl. Antonius von Padua.

1528 - 1555

Abt Andreas Hasenberger regiert wie ein Fürst. Er lässt sich eigene Segelschiffe bauen. Auf seiner "Venezianischen Flotte" empfängt er im Jahr 1552 sogar Kaiser Karl V.

1556 - 1587

Unter Abt Petrus Gröblacher gehen alle Osttiroler Güter verloren. Er wird schließlich "wegen unchristlichen Lebenswandels" abgesetzt.

1587 - 1593

Abt Zacharias Gröblacher, der leibliche Bruder von Abt Petrus, lässt erstmals eine Geschichte des Klosters schreiben: die Annales Ossiacensis. Auch das Äbtebuch geht auf ihn zurück. Trotz dieser Verdienste wird auch er vom Erzbischof zur Resignation gezwungen.

1593 - 1595

Der aus St. Paul im Lavanttal stammende Abt Adam Schrötl bemüht sich wieder um Ordnung und Disziplin im Kloster.

1595 - 1616

Abt Caspar Rainer macht das Kloster wieder schuldenfrei. Am Ossiacher Tauern lässt er einen Meierhof errichten.

1612

Einzelheiten über die Geschichte Ossiachs finden sich auch in den Annales Carinthiae des Hieronymus Megiser.

1622 - 1628

Abt Georg Wilhelm Schweitzer lässt den Westtrakt des Stiftes und die dortige Prälatur neu bauen.

1624

Das Kloster erwirbt ein Stadthaus in Klagenfurt. Das Ossiacher Wappen schmückt heute noch das Portal des prunkvollen Hauses in der Wienergasse.

1628

Erwerb von Schloss Prägrad bei Feldkirchen.

1642 - 1656

Abt Friedrich Hirschberger verkauft die entlegenen Güter im Lungau und macht das Kloster nach den Steuerlasten des 30-Jährigen Krieges wieder schuldenfrei.

1656 - 1682

Unter Abt Christoph Caponig werden viele Mönche krank, weshalb man nun einen gesünderen Ort sucht. Im Jahr 1672 kommt es zum Ankauf von Schloss Wernberg. Nach dem Neubau der Wasserleitung in Ossiach verschwinden auch die Krankheiten. Zum Dank dafür lässt Abt Caponig einen Marienbrunnen im Stiftshof erbauen.

1680

Der Kärntner Geschichtsschreiber Valvasor zeigt eine detaillierte Ansicht der Klosteranlage aus dieser Zeit.

1682 - 1725

Der hochangesehene Abt Ibelbacher bekleidet auch außerhalb des Klosters hohe Ämter. Als Visitator der salzburgischen Benediktinerkongregationen ist er auch Rektor der Universität Salzburg. Er ist ebenso Legat der Kärntner Landstände am kaiserlichen Hof.

1683

Die Stiftskirche erhält einen neuen Hochaltar, der aus der Kirche Maria Elend im Rosental stammt.

1689

Abt Edmund Ibelbacher organisiert eine 1000-Jahr-Feier des Stiftes. Das angebliche Gründungsjahr 689 geht allerdings auf einen Irrtum zurück.

1705

Am 25. März ertrinken infolge eines Sturmes 200 Wallfahrer während der Überfahrt nach Ossiach. An diese Tragödie erinnern zwei schmiedeeiserne Kreuze, die heute auf den Gräbern von Pfarrer Jakob Stingl und Professor Helmut Wobisch stehen.

1725

Errichtung der frühbarocken Kanzel. Die roten Buchstaben der Inschrift "Lux fidei hic prima refulsit" ergeben als lateinische Ziffern die Jahreszahl 1725.

1725 - 1737

Unter Abt Virgil Gleissenberger erlebt das Stift eine Glanzzeit. Das Kloster kann nicht alle Novizen aufnehmen, so groß ist die Nachfrage. Als eifriger Bauherr lässt er die Stiftsbibliothek erneuern und veranlasst 1726 den Bau des Pfarrhofs in St. Jakob im Rosental. In Wernberg entsteht die Schlosskapelle. Abt Virgil macht sich aber vor allem als Dichter einen Namen. Von ihm stammt das Epos über das Schicksal des polnischen Königs Boleslaus II.

1737 - 1753

Abt Hermann Ludinger (Hermann III.) vollendet im Jahr 1746 die barocke Ausgestaltung der Kirche. Eine Legende erzählt, dass er beim Einfangen eines Bienenschwarms auf einen Schatz gestoßen sei und damit den Umbau der Kirche finanziert habe.

1753 - 1783

Mit Abt Roman Zusner endet die beinahe acht Jahrhunderte dauernde Klostergeschichte der Benediktiner in Ossiach. Auf Grund einer kaiserlichen Weisung vom 5. Dezember 1782 erfolgt im Frühjahr 1783 die Aufhebung des Stiftes. Einige Mönche werden im Kloster St. Paul im Lavanttal aufgenommen. Abt Zusner übersiedelt als Erzpriester nach St. Jakob im Rosental.
Die Stiftskirche wird Pfarrkirche. Das Stift geht zunächst in den Religionsfond und dann in staatlichen Besitz über.

1816

Der zweite Stiftshof mit dem Kreuzgang wird abgerissen. Das Stift dient in den folgenden Jahren als Militärstation und Pferdegestüt.

1818

Das Tor im Durchgang vom Stiftshof der Kirche wird durch das Militär zugemauert.

1866

Auf Drängen der Bevölkerung wird das zugemauerte Tor zur Stiftskirche wieder geöffnet.

1919 - 1920

Das Stift wird von italienischen Truppen besetzt und droht weiter zu verfallen.

1946

Die Österreichischen Bundesforste übernehmen das Stift und verhindern einen Abbruch.

1965 - 1975

Die Stiftskirche wird auf Initiative von Pfarrer Jakob Stingl vollständig restauriert.

1995

Das Stift geht in den Besitz des Landes Kärnten über und wird seit 2001 von einer landeseigenen Immobiliengesellschaft verwaltet (LIG).

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Die Seelsorger der Pfarre Ossiach seit 1896

1896 - 1900

Pfarrer MATTHIAS KANDOLF (4 Jahre)
Geb. 1867, war Pfarrer von Dezember 1896 bis November 1900
Verst. 1942 (75 Jahre) als Kanzleidirektor und Konsistorialrat

1900 - 1901

Provisor MATTHIAS STREIT (9 Monate)
Geb. 1870, war Provisor von Dezember 1900 bis August 1901
Verst. 1965 als ehem. Pfarrer von St. Lorenzen in Klagenfurt

1901 - 1933

Pfarrer LORENZ FRANTA (32 Jahre)
Geb. am 2.8. 1868 in St. Jakob in Steiermark
Pfarrer vom 12. September 1901 bis August 1933
Verstorben als Pfarrer von Ossiach am 6.10.1933

1933 - 1935

Provisor ANTON DEUMLICH (1 Jahr)
Wirkte in Ossiach von September 1933 bis Februar 1935

1935 - 1962

Pfarrer WILHELM MATHEI (27 Jahre)
Geboren am 29.4.1897 in Bochum, Westfalen
Pfarrer in Ossiach von März 1935 bis Juni 1962
Verstorben als Pfarrer von Ossiach am 2. Juni 1962

1962

Provisor FRANZ NIKOLASCH (3 Monate)
Provisor von Juni bis August 1962
Em. Universitätsprofessor für Liturgie in Salzburg

1962

Provisor SIEGFRIED PIRKER (10 Monate)
Wirkte in Ossiach vom 1. September 1962 bis Juni 1963

1962 - 1996

Provisor JAKOB STINGL (33 Jahre)
Geboren am 23.7.1929 in Gradenegg
Provisor von Herbst 1962 bis November 1996
(Übernahme der Pfarre laut Dekret erst ab 16. Juli 1963)
Verstorben als Provisor von Ossiach am 24.11.1996 (67 Jahre)

1997

Dechant ENGELBERT HOFER (9 Monate)
Zuständig für Ossiach von Dezember 1996 bis August 1997

1997 - 1998

Provisor PETER ALLMAIER (1 Jahr)
Zuständig in Ossiach von September 1997 bis August 1998

Seit 1998

Pfarrer HERBERT STICHALLER
Provisor von Ossiach seit 1.9.1998
Pfarrer von Ossiach seit 1.10.2002

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Der "Stumme Büßer" zu Ossiach
Ungefähr im Jahr 1082 kam Boleslaus, König von Polen, nach Ossiach und starb, nachdem er hier acht Jahre Buße getan hatte, 1090 unter der Regierung des Abtes Teucho. Nach glänzenden Siegen, die er über die Russen, Böhmen und Ungarn erfochten und wodurch er die Grenzen Polens erweitert und befestigt hatte, brachte ihn menschliche Gebrechlichkeit und sein Glaube an die Beständigkeit des Glückes zu Fall.
Nach Polen zurückgekehrt, bestrafte er jene Truppen, die vorzeitig heimgekehrt waren, mit empörender Grausamkeit, trieb neue, unerschwingliche Steuern ein und machte sich dadurch bei allen Untertanen verhaßt.

Da ihm der wackere Bischof von Krakau, Stanislaus, hierüber freimütig Vorwürfe machte und ihn endlich sogar in den Bann tat, schwor Boleslaus ihm Rache und tötete ihn mit eigener Hand in der Kirche des heiligen Michael zu Krakau vor dem Altar, da er eben die Messe las. Dies geschah am 8. Mai 1077.

 

Der Mord an diesem frommen und beliebten Mann empörte die Nation noch mehr, und da der König nun auch vom Papst Gregor VII. in den Bann getan wurde, verschworen sich die Vornehmsten des Reiches gegen ihn und bewogen ihn dadurch zur Flucht aus seinem Land. Er floh nach Ungarn zum König Ladislaus. Allein unbekannte Gründe, vielleicht die fortgesetzte Verfolgung des Papstes,
vielleicht die strafende Stimme seines Gewissens bewogen ihn, Ungarn heimlich zu verlassen und irgendwo in der Welt eine Verborgenheit aufzusuchen, wo er seine Sünden abbüßen, sich mit seinem Gewissen aussöhnen und einen ruhigen Tod finden könne. Die Sage berichtet, ebenderselbe Papst habe ihm die Buße auferlegt, so weit zu gehen, bis er an einen Fluß komme, in dem das Wasser aufwärts fließe. Nach langer Wanderung kam Boleslaus an den Seebach bei Villach. Beim Anblick dieses Flüßchens schlug das Herz des unglücklichen Königs vor Freude höher; es floß "aufwärts" und kündete ihm somit die Erlösung vom Bann. (In Kärnten bezeichnet man nämlich die der Drauströmung entgegengesetzte Richtung als "aufwärts".) Dieses Flüßchen kommt aus dem Ossiacher See, an dessen Südufer das gleichnamige Stift liegt. Hier fand er, was er suchte.

Der Mann, dem vormals ein großes Reich nicht genügt hatte, brachte hier acht Jahre zu, unerkannt und stumm; er stellte sich, als wäre er sprachlos, und verrichtete die geringsten Küchendienste und Tagwerksarbeiten. Seine Demut in diesem neuen Stand, seine ausharrende Geduld, seine Unterwürfigkeit gegen die Befehle seiner Vorgesetzten, die unerschütterliche Festigkeit in seiner angenommenen Stummheit, alles Lautwerden der Gefühle zu unterdrücken, sind unzweideutige Beweise dafür, daß er seiner selbst durch harte Prüfung wieder mächtig geworden war.

In seinem besten Alter warf ihn nun eine Krankheit aufs Bett, und bald fühlte er, daß sein letzter Augenblick herannahe. Diese Gewißheit löste seine Zunge. Er bat um einen Beichtvater, und als dieser erschien und über den plötzlich sprechenden Stummen in Erstaunen geriet, bekannte Boleslaus, wer er gewesen, warum er hierher gekommen und welche Verbrechen er begangen hatte. Er empfing den Leib des Herrn, übergab den königlichen Siegelring mit geheimen Briefen zur Bestätigung seiner Angaben dem Abt des Klosters und schloß seine Augen für immer unter dem Gebet der Klosterbrüder, die sich um sein Krankenlager gesammelt hatten.

Der Körper des Verstorbenen wurde auf geziemende Weise in der Kirche begraben, und man sieht noch heute von außen auf der Nordwestmauer der Kirche seinen Grabstein, auf dem ein gesatteltes Pferd mit der Umschrift steht: Boleslaus, Rex Poloniae, Occisor Sancti Stanislai, Episcopi Craco-viensis. Über diesem Stein ist ein Bild, ein altes Gemälde, zu sehen; es zeigt in seiner Mitte den Boleslaus bewaffnet, ringsherum am Rand aber in kleinen Bildern Szenen aus der Geschichte seines Lebens und Todes.

Als man im Jahr 1839 das Grab, das seine Überreste enthalten sollte, öffnete, fanden sich darin Gebeine, eiserne Nägel und eine Metallschließe, die wohl einst das Pilgergewand des königlichen Büßers geschlossen hatte.

Zum Andenken an den stummen Büßer, so nannte man den König, ernährte das Kloster immer mehrere Taubstumme, bis zwölf, die zu den verschiedenen Geschäften verwendet wurden. Durch die Zeichensprache, mit der sich einige Konventmitglieder befaßten, teilten sie ihnen einen gewissen Grad von Bildung mit. Eine große Anzahl Polen besuchten auf ihren Reisen nach Italien und zurück das Stift Ossiach von Zeit zu Zeit, um die Grabstätte ihres vormaligen Königs zu sehen und zu verehren. Ein edler Pole benützte die Unaufmerksamkeit des Führers und Vorweisers der Seltenheiten dazu, den Ring zu entwenden. Dieser soll nachmals in der königlich polnischen Schatzkammer aufbewahrt worden sein.

(Georg Graber. Sagen aus Kärnten, Band I der Gesamtausgabe, Seite 277- 279
Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft m. b. H., Klagenfurt)

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Abt Werner und die Kristallkugeln
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts regierte in Ossiach Abt Werner II., dessen Name aus einem besonderen Grund unauslöschlich in die Stiftsgeschichte eingegangen ist.

Der heiligmäßig lebende Gottesmann, von dem man sagt, daß er in seiner Jugend von einem Johanniter in die Geheimnisse der Medizin eingeweiht worden war, widmete sich in Ossiach segensreich der Pflege kranker Menschen aus seiner Umgebung. Auf sein inniges Gebet hin, auch bei schweren Erkrankungen Heilung zu erreichen, soll er von der Gottesmutter während des Meßopfers am Frauenaltar drei Kristallkugeln erhalten haben, mit denen er Blinde, Taube, Stumme und Besessene durch "Brennen" von ihrem Leiden befreien könnte. Abt Werner verfuhr sodann nach dem Rat der heiligen Jungfrau und hatte bald erstaunliche Erfolge.

Sein Ruhm als wundertätiger Abt von Ossiach verbreitete sich über das ganze Land, und von überall brachte man die Kranken herbei, damit sie im Kloster Heilung fänden.

Tatsächlich dürfte Abt Werner mit Hilfe der Kristallkugeln eine Lichttherapie ausgeübt haben, die folgendermaßen vor sich ging: Er ließ die Leidenden auf einen großen Stuhl binden und samt diesem an einem bestimmten Platz im Stiftshof in die Sonne stellen. Sodann hielt er eine seiner Kugeln in der Weise gegen den kranken Körperteil, daß diese mittels der Sonnenstrahlen wie ein Brennglas wirkte. Der Patient fiel daraufhin - erschöpft ob der starken Schmerzen - in einen tiefen Heilschlaf, aus dem er zumeist gesund wiedererwachte. Da eine solche Behandlung aber nicht unbedingt nur an eine Person gebunden war, konnten auch andere medizinisch erfahrene Benediktinermönche zu Ossiach nach dem Tod von Abt Werner jahrhundertelang die Tradition der "Wunderheilungen" weiterführen.

Selbst Paracelsus, der berühmte Arzt des 16. Jahrhunderts, der von Villach aus in die Welt zog, um zu kurieren und zu lehren, interessierte sich für dieses Heilverfahren und erkannte es als Arznei an, die Blinde wieder sehen, Taube hören, Stumme wieder reden und Geistesgestörte klar denken machte.

Noch rund 370 Jahre nach dem Tod des Abtes Werner berichtet der Kärntner Geschichtsschreiber J. W Valvasor in der "Topographia Archiducatus Carinthiae" von einer Behandlung, die er mit eigenen Augen in Ossiach gesehen hätte. Daraus geht klar hervor, daß mit den Kristallkugeln nicht nur gebrannt wurde, sondern daß man auch durch bloßes Auflegen auf erkrankte Körperstellen vielfach Heilung bewirkte. Im übrigen darf ein gewisses Mißtrauen der kirchlichen Stellen gegenüber der zu Ossiach angewandten "Wunderheilmethode" nicht ausgeschlossen werden. So erfährt man bei Valvasor weiter, daß die Kristallkugeln mehrmals auf Anordnung des Patriarchen vonAquileja in das Benediktinerkloster Arnoldstein übertragen worden, von dort jedoch auf nicht erklärbare Weise wieder nach Ossiach zurückgekehrt wären.

Daß die Ossiacher "Wunderheilungen" keineswegs als Einzelfall betrachtet werden können, beweist die lange Tradition von Kultstätten als Zentren der Heilkunde. Schon in der Antike verehrte man Gottheiten, die gewisse Krankheiten mit einem Genesungsschlaf kurierten. Gleichfalls war das Brennen durch am Körper angesetzte Kugeln seit den alten Ägyptern ein beliebtes Heilverfahren. Im Mittelalter waren es vor allem die Benediktiner- und Zisterzienserklöster, welche sich um die Krankenpflege kümmerten, wobei im süddeutschen Raum auch erfolgreiche Brennbehandlungen samt anschließendem Heilschlaf üblich waren. Im übrigen schrieb man damals gewissen Steinen besondere Kräfte zu, so auch dem Bergkristall, dem Bernstein oder den Korallen, welche man als Amulette zum Schutz vor Krankheiten stets mit sich trug. Die Bergkristallkugeln sollten darüber hinaus beim intensiven Hineinschauen eine Bewußtseinsänderung herbeiführen.

Abschließend betrachtet, muß bestätigt werden, daß das Kloster Ossiach tatsächlich einige Jahrhunderte hindurch als heilkräftiger Ort gegolten hat. Leider ist das alte Fresko an der Außenwand der Stiftskirche, welches die Übergabe der drei Kristallkugeln durch die Gottesmutter an Abt Werner und eine erwartungsvolle Schar Heilungsuchender zeigte, zugrunde gegangen. Ein seltsamer hölzerner Stuhl aus dem 13. Jahrhundert, möglicherweise jener, an den man einst die Kranken gebunden hatte, ist heute noch in der Kirche vorhanden. Von den drei "Wunderkugeln" existiert nur mehr die kleinste. Sie befindet sich in einer Vitrine des Salmzimmers im Diözesanmuseum Klagenfurt, wo mancher ahnungslose Besucher, der nichts von ihrer bewegten Vergangenheit weiß, an ihr vorübergehen mag.

Dennoch ist das Rätselraten um die Ossiacher Wunderheilungen bis in die Gegenwart nicht abgeschlossen. Jüngste Forschungen eines deutschen Wissenschafters an Ort und Stelle wollen das Mitwirken erdmagnetischer Strahlen beim heilenden Brennen mit den Kristallkugeln unter Beweis stellen. Nun, wie dem auch sei, unbestritten war und ist der Erfolg, den die Benediktinermönche zu Ossiach beim Heilen gewisser Krankheiten erzielt hatten - zum Segen der damals in medizinischer Hinsicht noch wenig versorgten Bevölkerung des Landes.

Ilse Spielvogel-Bodo: Der Ossiacher See zwischen gestern und heute, Seite 23/24
Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft

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Kostbarkeiten aus dem Pfarrarchiv

Strenge Auflagen anno 1844
Visitation am 12. und 13. September:
Das Visitationsprotokoll enthielt allerlei Fragen zu den in der Pfarre bestehenden Kirchen und Kapellen. In der Beantwortung erfahren wir zum Beispiel, dass
"die Filialkirche zu h. Gestadt der allerheiligsten Dreifaltigkeit und die Filialkirche am Tauern dem h. Anton von Padua dediciert" ist.
Natürlich wurde auch schon damals der "Finanzausschuss" streng geprüft. Die Frage im Protokoll lautete: "Besteht nach hoher Verordnung vom 8. September 1799 und 2. September 1800 eine mit dreifacher Sperre versehene Kirchenkasse, wie wird sie verwahrt, und wer hat die Schlüßel?" Die Antwort fiel offen und ehrlich aus: "Weil die Kirche kein wie immer genanntes Vermögen besitzt, gibt es auch keine Kirchenkasse."
Auch die Lehrer wurden ganz ordentlich in die Pflicht genommen. Offensichtlich lagen gewisse Anschuldigungen gegen den Dorfschullehrer vor, denn das Protokoll enthält ein ungewöhnliches Bekenntnis: "Der Lehrer bekennt alle die ihm vorgehaltenen moralischen Gebrechen und gelobet nun sich in allem und jedem zu bessern und seine Pflichten als Lehrer und Meßner mit gewissenhafter Genauigkeit zu erfüllen." (mit Unterschrift des Lehrers)

Wenn der Wein zu Ende geht
Berichte des Pfarrers Lorenz Franta an das Ordinariat (1916/1917):
Die Zeit des ersten Weltkriegs brachte für Ossiach bittere Armut. Die Glocken und viele andere Metallgeräte mussten für die Kriegskasse abgeliefert werden. Im Stiftsgebäude hausten die Soldaten. Pfarrer Franta berichtet: Im "Pferdespitale Ossiach befinden sich ca. 260 Mann. Kriegsgefangene sind hier etwa 200, darunter ca. 50 Serben." Im Pfarrhaushalt und in der Sakristei fehlte es an allem: "Wie täte uns selbst ein St. Nikolaus von Myra not, der Getreide beschaffen konnte, wo keines war. ... Der Pfarrer hat nur einige Flaschen Wein mehr, er verbraucht nur das Allernotwendigste, wenn dieser Vorrat aufgebraucht ist, wird das hl. Meßopfer aufhören müssen".

Mit großer Begeisterung
Bischofsempfang am 11. Juni 1928:
Auch die Jahre nach dem ersten Weltkrieg waren von wirtschaftlicher Not gekennzeichnet. Das war aber kein Hindernis, die Firmung mit großer Freude zu feiern. Die letzte Firmung in Ossiach lag schon 15 Jahre zurück. Ein 14-strophiges Begrüßungsgedicht - möglicherweise vom damaligen Pfarrer Lorenz Franta verfasst - zeugt von der Begeisterung der Kinder:

Du kommst, die Herzen uns zu stählen,                      
Dem Herrn sein Volk anzuempfehlen.
Und Himmelsgnaden ohne Zahl
Herabzurufen auf dies Tal.
(6. Strophe)

Schon ist die Kunde von uns Jungen
Ins Land der Salzach vorgedrungen
Wie alter Barden Lobgesang:
Ja, Ossiach hat guten Klang!
(8. Strophe)

Drum bist Du auch zu uns gekommen,
Uns all zu guten, braven, frommen
Kindern zu wandeln, sittig rein -
Wer möchte es nicht gerne sein!
(9. Strophe)

Wenn vor des Höchsten Thronesstufen
Zur Sammlung die Posaunen rufen,
Das, Bischof, das versprechen wir,
Dann schrei'n wir alle kräftig: Hier!
(12. Strophe)

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